CHRONIK


Der Männerturnverein Dannenberg/Elbe von 1863 e.V.

Ein Großteil dieser Chronik ist den Bemühungen von Martin Schulz und Peter Höpping zu verdanken, die 1988 zum 125. Geburtstagstag einen Blick in vergilbte Blätter gemacht und die Vereinsgeschichte in einer kleinen Jubiläumsschrift "125 Jahre Männerturnverein von 1863 Dannenberg (Elbe) e.V." zusammengestellt hatten. Dabei ist es ihnen gelungen, das Werden und Wirken des MTV auch unter den jeweiligen Zeitumständen zu sehen.

Das Gründungsprotokoll von 1863

Kopie der Urkunde als pdf-Datei (66 KB)

Dannenberg, den 18. Februar 1863

In einer heute Abend zwecks Constituierung
eines Turnvereins hierselbst stattgefundenen
Versammlung wurden zuvörderst die von den
Herren Wiltiens, Strauß und Niemeitz ausge-
arbeiteten Statuten der Versammlung im
Entwurf vorgelegt und von dieser mit klei-
nen Abänderungen angenommen, sodann aber
zur Wahl eines Vorstandes geschritten.

Einstimmig wurde Herr Ellinger zum Spre-
cher, Hr. Wiltiens zum Turnwart, Hr. Finger I
zum Turnwart-Anmann, der unterzeichnete
zum Schriftwart, Hr. Niemeitz zum Säckelwart
und Hr. Scholie zum Zeugwart erwählt, hierauf
aber die Statuten von etwa 50 anwesenden
Turnern und Turnfreunden unterzeichnet.

Herr Wilkens setzte darauf in einem erheben-
den Vortrage Wesen und Wirken des Turnens
auf Geist und Körper, Moral und Sitte aus-
einander, schließend in einem von allen an-
wesenden lebhaft beigestimmten "Gut Heil!".

Daß der neue Verein das Gute wirken möge,
was mit seiner Gründung bezweckt worden, na-
mentlich unsere Jugend gekräftigt und nur deut-
sche Männer aus solchen hervorgehen mögen, ist
der lebhafteste Wunsch gewiß aller, vorzüglich aber

des Schriftwarts
W. Esmarch

Die ersten 50 Jahre von 1863 - 1913

...da war vieles, ja fast alles anders als heute. Im Zeitalter Offenbachs, der Blüte der italienischen Oper formten Mitte des vorigen Jahrhunderts vor allem politische Ereignisse Nation und Gesellschaft.
Ein halbes Jahrhundert nach den Freiheitskriegen (1813) waren die Deutschen im Norddeutschen Bund unter Bismarck auf dem Sprung zur nationalen Einigung. Das Gründungsjahr des MTV Dannenberg ist geprägt von nationalem Aufbruch. Die Turner vor allem verstehen sich als Träger deutscher Traditionen, schreiben in den Statuten ihrer neu gegründeten Vereine menschliche Tugenden fest.
Im Gründungsprotokoll des Männer-Turn-Vereins Dannenberg vom 18. Februar 1863 finden sich Hinweise auf Wesen und Wirken des Turnens auf Geist, Körper, Moral und Sitte. Es mögen nur deutsche Männer aus der neuen Vereinigung hervorgehen. Das war Wunsch und Wille der Gründungsväter. Wenn auch zu dieser Zeit das Wort "Sport" noch unbekannt war, unter Leibeserziehung und Körperertüchtigung konnte man sich schon eine Menge vorstellen... und danach handeln.

Aus vergilbten Protokollen

In der Frühzeit unseres MTV scheint es neben viel Harmonie an deftigen Meinungsverschiedenheiten nicht gefehlt zu haben: Fast 15 Jahre nach dem Gründungsakt waren (vorausschauende) Zeitgeister nicht mehr mit dem Vereinsnamen Männer-Turn-Verein einverstanden. Sie lösten ihren Verein am 8. September 1877 auf und gründeten ihn neu unter dem Namen TV Dannenberg ... aber erst 1912 kamen sie dann ... die Frauen!
Trotzdem, das Vergnügen kam offensichtlich nicht zu kurz: Mehr getagt als geturnt? Die Vermutung ist nicht abwegig, wenn man von 5 Hauptversammlungen anno 1863 berichtet und an die sich jeweils anschließenden Ballvergnügen denkt.

Ballotement und Säckelwart

Damals übliche Aufnahme-Formalitäten für neue Mitglieder entlocken uns heute ein Schmunzeln: Am 1. September 1877 scheiterte der Schlosser Schulz mit seinem Aufnahmeantrag an der Stichwahl der Mitglieder. Für die ging nämlich eine Schale mit weißen und roten Kugeln herum. Jeder Stimmberechtigte entnahm "rot und weiß" gab dann durch Rückgabe von weiß (Zustimmung) oder rot (Ablehnung) in die Schale seine Stellungnahme kund. Ein wahrlich anstrengendes Verfahren. Der arme Schlosser wurde jedenfalls mit 23 : 1 Stimmen "abgeschmettert". Damals nicht zuletzt ein Ausdruck gesellschaftlichen Kastendenkens!
Der Umgang mit Geld gehörte auch damals schon zum Ritual der Vereinsarbeit. Nur sprach man seinerzeit nicht vom Kassenwart oder Schatzmeister, sondern vom "Säckelwart". Wer kennt heute nicht die Stoßseufzer der Kommunen "Unser Stadtsäckel ist leer!"

Lokalordner und Volksbibliothek

Unsere turnerischen Urahnen haben ganz schön auf Ordnung und Anstand geachtet: Da wurden für die derzeitigen Vereinslokale im "Hotel Hannover", "Hotel Ellinger" oder dem "Gasthof zur Post" Lokalordner gewählt, die für anständiges Benehmen der Vereinsmitglieder zu sorgen hatten.
Von einer sozialen Errungenschaft besonderer Art berichten die Annalen, wenn von der Volksbibliothek die Rede ist. Nicht weniger als 102 Bände - jeweils zur Hälfte vom Kriegsverein und dem Turnverein betreut. Im Jahre 1895 überprüfte der Magistrat der Stadt Dannenberg den Bestand. Danach hatten die "Kriegerischen" 18 Bände nicht mehr aufgefunden und die Turner sich als "Weiße-Westenträger" fühlen dürfen.

Gründung der Wasserwehr

Als auf der Höhe ihrer Zeit erwiesen sich unsere Vorväter, als sie nach dem Hochwasserjahr 1888 eine damals im Reich einmalige Abteilung gründeten: Am 12. Mai 1889 wurde die MTV-Wasserwehr mit drei Holzbooten und zwei eisernen Booten ausgestattet, um im Bedarfsfall Mitmenschen aus Wassernot zu retten. Erst 1954 konnte sich die Abteilung auflösen, denn durch die inzwischen vorgenommene Eindeichung bestand keine Hochwassergefahr mehr für die Stadt Dannenberg. -

Zum Inventarium des Vereins gehörten 1896 u.a. 2 Fahnen mit Bandeleren, 1 Bock, 2 Barren, 1 Reck mit eiserner Stange und zwei Sprungständer.

Die letzten Jahre vor dem Kriege 1914

Der handschriftliche Eintrag im Protokollbuch des MTV brachte es an den Tag: Im Gegensatz zur bisherigen Meinung, die Frauen hätten erst 1912 im Turnbereich eine Rolle gespielt, ist schon 1907 die Rede von einer Fahnenweihe mit Damenriege. Das verblichene Fahnenband flattert heute noch vom Traditionsbanner der MTV-Turner.

Gab es bis dahin kaum Hinweise auf "sportliches Treiben" in der Heimat-Zeitung, berichtet die damalige "Jeetzel-Zeitung" (Druck und Verlag H. Esmarch in Dannenberg) 1912 von einer Vorturnerstunde in Winsen, an der MTV-Aktive unter Leitung des Lüneburger Gauturnwartes Frehse teilnahmen.

10 Pfennige kostete damals eine Zeitung und der Wochenlohn einer Fabrikarbeiterin in Berlin wurde mit 12,33 Reichsmark angegeben.

Schauturnen und Fußball

Im Jahre 1912 gründeten junge Männer in Dannenberg eine Fußballvereinigung, die als Unterabteilung dem MTV eingegliedert wurde. Am 1. Juni präsentierten sich 25 Jünger des runden Leders der staunenden Mitwelt. Am 27. Juni schwärmt die Lokalzeitung vom 2 : 0-Sieg gegen den FC Dömitz in einem ruhig und angemessen verlaufenden Wettspiel.

Ende 1913 wird die Mitgliederzahl des MTV mit 206 Personen angegeben. 1835 Einsätze an den Turngeräten in 95 Übungsabenden bei den Männern, das war eine Bilanz, die sich sehen lassen konnte. Für die Frauen wurden 1120 Einsätze in 43 Übungsabenden notiert. 8 Vorturner gab es - davon 3 Frauen.

Vier Turner seien zum Militärdienst eingezogen worden und erfreulicherweise sei der MTV Dannenberg inzwischen der größte Verein im Unterelbe-Gau.

Im Schatten von Krieg und Inflation

Schwere Jahre von 1914 - 1923

Erst langsam, dann immer schneller beeinflusst der erste und der letzte Waffengang des ersten Kaiserreiches das Vereinsleben im MTV. Im inzwischen zum größten Verein im Unterelbe-Gau gewachsenen Verein wird am 6. Dezember 1914 der erste patriotische Abend im Maatsch'schen Saale durchgeführt. Mehr als 400 Personen erbringen einen Reinerlös von 220,35 Mark zugunsten der Dannenberger Krieger.
Noch floriert der Spielbetrieb: Am 31.5.1916 schlägt der Lüneburger SK den FC Dannenberg mit 9 : 0 Toren. Die Postgebühren werden erhöht: Briefe 2,5 Pfennige, Pakete über 5 Kilo auf 0,20 Pfennige.
Kriegsende und die ersten Nachkriegsjahre drücken den Aktionen der nach und nach heimkommenden Turner ihre Stempel auf.
Vierzehn Monate nach der November-Kapitulation beschließen 66 erschienene Mitglieder auf einer Generalversammlung am 8. Januar 1921 im Deutschen Haus die Überweisung von 70 Mark an den Ausschuss für Jugendpflege im Kreis Dannenberg. Dafür soll ein Lichtapparat angeschafft werden.
Auf einfache Vergnügen wird am 12. Februar hingewiesen. Die Einladung dazu mutet heute rührend an :"Für Sonntag, den 13.Februar 3 1/2 Uhr Nachmittags sind Eisspiele der Schüler- und Schülerinnenabteilung des MTV auf der Eisfläche hinter der Möbel-Fabrik ORDAS angesetzt. Kinder, die nicht Schlittschuhlaufen können, mögen leichte Schlitten mitbringen. Antreten der Kinder um 3 1/4 Uhr bei Fr. Maatsch. Sollte der Frost anhalten, werden den Kindern recht fröhliche Stunden winken!". Im Deutschen Haus gibt man die "Czardasfürstin", in der Jeetzel-Zeitung wird das Programm für das Kinderschauturnen am 24. Februar "eingesandt".
Ende März macht sich die Sportabteilung des MTV als neue "Sportvereinigung Dannenberg" selbstständig.
In diesem Jahre ist das gute Abschneiden beim 17. Kreisturnfest in Lüneburg Tagesgespräch: 1 Turner und 3 Turnerinnen kehren mit Siegerkränzen aus Wettkämpfen mit 1000-köpfiger Konkurrenz zurück : Der Jubel gilt Turnwart Schulz, Frau Wichmann, Fräulein Woycichowski und Fräulein Dreyer.
Eine Versammlung im Dezember anerkennt einstimmig den Bau einer Turnhalle. In den Planungsausschuss werden Bürgermeister Gaensslen, Kaufmann Düsenberg, Töpfermeister Lange, Klempnermeister Karl Schuz, Stadtsekretär Willi Fischer, Rentner Wilhelm Daasch, Kaufmann Heinrich Schulz, Uhrmacher Habermann, Lehrer Wulff, Frl. Dreckmann und Frl. Schinkel berufen. 

Das irre Karussell rotiert

Erst einmal brennt - fast wirkt es wie ein Fanal - Anfang 1922 das Dannenberger Hotel Hannover ab. Noch herrscht scheinbar Ruhe vor dem Sturm: Rektor Worm dankt Aktiven und Herrn Kranz für das trefflich verlaufene Schauturnen der Schüler. Der MTV "demonstriert" Turnkunst im "abgelegenen Elbdorf' Damnatz anlässlich eines Turnfestes beim dortigen VfL. Ende Mai siegen Irmgard Schröder und Grete Stolte im Turnerinnen- 9-Kampf in Ober- und Unterstufe beim 2. Verbandsturnfest in Dannenberg. Mitte des Jahres rotiert das Inflationskarussell und lähmt zunehmend das Sportleben. Mitte September kostet das Abonnement der damals noch im Esmarch-Verlag Dannenberg erscheinenden Jeetzel-Zeitung monatlich 210,- Mark, Briefe im Ortsverkehr 2, - Mark, im Ausland 20,- Mark. Der Verfall der Mark nimmt verwirrende Formen an: Man muss für einen Dollar horrende Beträge heimischer Währung bezahlen: Am 10. Oktober 2244 Mark, am 24. Oktober 4430 Mark, am 9. November 8450 Mark. In dieser verrückten Zeit bleiben Willi Lange und Friedrich Lindemann Turner mit Kurs: Sie erwerben das Bronze-Sportabzeichen des DTB. Ab 1923 drosseln die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen das Sportgeschehen. Als die Franzosen das Ruhrgebiet besetzen, der Dollarwechselkurs auf 30.000 Mark klettert, steigt der MTV-Beitrag auf monatlich 20 Mark. In Dannenberg startet die "Deutsche Volkshilfe" eine Spendenaktion gegen die Besetzung des Ruhrgebiets. Am 17. März ist Schauturnen des MTV, der Dollar steigt auf 38.250 Mark. Aber Turner sind zäh: 43 Mitglieder haben sich für das Deutsche Turnfest in München angemeldet, die Vorbereitungen für das Kreis-Jugend-Treffen in Celle laufen auf Hochtouren. Am 29. Mai muss man für eine Sau schon 3 Millionen Mark hinblättern. Der Dollar steht auf 60.000 Mark. Sein 60-jähriges Wiegenfest begeht der MTV im Gasthaus zur Post am 23. /24. Juni. MTV-Vorsitzender und Stadtsekretär Fischer begrüßt eine Reihe von Ehrengästen, u.a. als Gauvertreter Turnlehrer Frehse und den Bezirksvorsitzenden und Schriftleiter Ackermann, beide aus Lüneburg. 300 Turner bestreiten die zahlreichen Wettkämpfe. Am Sonntag ist großes Wecken mit Kapelle und Zug durch die Stadt. - Den Speerwurf gewinnt Fr. Lindemann mit 39 Metern! -
Als Herr Ackermann in seiner Festrede den alten Turnergeist beschwört und sagt: "Wir wissen nichts von arm und reich, von Titel, Rang und Stand. Turnbruder sind in allem gleich, ihr Gut heißt 'Vaterland", da zahlte man für einen Dollar schon 153.383 Mark und musste einen Tausender für einen "Fern"-Brief ausgeben. August 23: Bezugspreise der Jeetzel-Zeitung: 65.000 Mark. Oktober: ABO-Leser müssen sich auf eine Nachzahlung von 60 Millionen einrichten. Das Pfund Butter kostet 300 Millionen, 1 Liter Vollmilch 20 Millionen. Der Dollar die Kleinigkeit von 4 Milliarden. In die letzten Zuckungen der Inflation fällt das Schauturnen des MTV am 30. Oktober. Vorführungen der Damenriege am Barren und der "1. Herren" am Reck rufen Bewunderungsstürme hervor. Dollarkurs: 64,8 Milliarden. Aufatmen eines ganzen Volkes am 17. November: Die Rentenmark ist da: Zwar sind dabei Millionen verarmt, aber der Brief kostet wieder 5 Pfennige. Hoffnung ist trotz allem angesagt. Zum Weihnachtsfest sind die Märchenfestspiele beim MTV so etwas wie der Aufbruch zu neuen Ufern. Kleine Dinge gewinnen wieder Bedeutung: Der Dank an Frau Scheel für die Gestaltung, herzlicher Applaus für die jungen Künstler für "Frau Holle" und "Sternenkind". Die letzte Sportnachricht des Jahres: Vereinsvorsitzender Willi Fischer erwirbt das Sportabzeichen in Gold.

Die ,,20er" und die 1000 Jahre 1924 - 1945

Folgenreicher Verlust

Dreißig Jahre MTV-Vereinsgeschichte haben die Vorstandsmitglieder der Sitzung vom 5.7.1927 auf dem Gewissen: Nebst einigen anderen Schriftstücken war auch das Protokollbuch von 1897 bis 1926 "abhanden" gekommen. Kein Wunder, dass anno 1988 die Rückerinnerung so lückenreich war. Gegen Arbeitersportvereine soll nicht mehr gespielt werden: Zu diesem Entschluss kam der MTV-Vorstand nach einem Spiel gegen den Arbeitersportverein Lüchow im Herbst 1927. Die Lüchower hätten versucht, Mitglieder abzuwerben und die Sache "aufs politische Gleis" zu ziehen. 1928 bekommen die Erbauer der Bretterbude auf dem Turnplatz ein Verzehrgeld von 8,- Mark, der Turnhallen-Baufonds hat 5000 Reichsmark erreicht. Dem verstorbenen Oberturnwart Max Schwarze wird ein kurzes Gedenken gewidmet.

Immer wieder Thema" Turnhallenbau"

Aus dem erfolgten Abbruch der Dömitzer Dynamitfabrik werden 6000 Steine zum Preis von 25 Mark pro tausend Stück, zusätzlich 300 qm2 Bretter für den Fußboden (1170, - Mark) und 4 Entlüfter (80, -) erworben. - Im April 1929 verhalten sich die Behörden (Regierung/Landesamt/Magistrat) ablehnend gegenüber dem Turnhallenprojekt. Die Grundstücksfrage sei noch nicht geklärt! Im Dezember lehnt Regierungspräsident den MTV-Antrag auf Gewährung einer Beihilfe ab, das Landratsamt bewilligt 50 Mark zur Anschaffung eines Medizinballes (!) für die Frauenabteilung. 

Aktuelle Sorgen

Die Jahreshauptversammlung 1930 beschließt Anhebung der Beiträge und erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von 600,- RM jährlich. Im August rügt Vorsitzender Fischer das Verhalten der Turner beim Gauturnfest in Lüchow: Verschiedene MTV-Mitglieder seien betrunken gewesen, keiner hätte sich um die Fahne gekümmert und die Fußballer hätten sich überhaupt nicht am Fest beteiligt. Es soll Turner geben (so Feststellung am 27. April 1931), die keine Mitgliederbeiträge bezahlen. Der Jugendwart muss feststellen, dass Jugendliche während der Versammlung rauchen. Das wird ihnen verboten. Den Arbeitslosen im Verein und deren Familien sollen Beiträge erlassen und den betroffenen Familien je 5 Zentner Kohle kostenfrei zugeteilt werden. Durch Mithilfe der Stadt Dannenberg wird der Turnhallenbau jetzt aber doch akut: Für das vorgesehene Vereinszimmer werden 14 Stühle a 6,- Mark angeschafft.

Endlich

Am 23. Januar ist es endlich so weit: Mit einem großen Schauturnen wird die neue Turnhalle eingeweiht. Der Verein nimmt 360,60 RM ein, von Ausgaben ist nicht die Rede. Nach intensiven Vorbereitungen wird die Durchführung des Gauturnfestes in der neuen Sportstätte zu einem vollen Erfolg. Auch Festabend und abschließender Kommers bei " Maatsch" waren Klasse. Bei der Weihnachtsfeier bleibt Bescheidenheit Trumpf: An fleißige Turner und Turnerinnen werden kleine Geschenke im Wert zwischen -,10 und -,30 Reichspfennigen verteilt.

Unterm Hakenkreuz

Am 3. Februar 1933 rügt Jahreshauptversammlung mal wieder die Fußballer: Die verbrauchen zu viel Geld. Das 70jährige Stiftungsfest wird am 18. Februar festlich begangen. Mit einer "Osterbotschaft" überrascht der 1. Vorsitzende des Gaues, Dr. Neumann. MTV-Vorstandsmitglieder werden zur ehrenamtlichen Erklärung verpflichtet, dass sie keiner marxistischen Bewegung angehören. An den Maifeiern nimmt der MTV "geschlossen" teil. Der "Wehrsport" beginnt eine Rolle zu spielen: für den Ankauf von Uniformen werden dem Vereins-Sparbuch 200 Reichsmark entnommen. Oberleutnant Wagner vom Reiterregiment 13 wird für einen Vortrag gewonnen.
Im Oktober zeichnet der 1. Vorsitzende W. Fischer das Vorstandsprotokoll erstmals als "Führer" ab. Die Anwendung des neuen "Führer-Prinzips" spielt eine große Rolle bei der Beilegung des Streits zwischen Turnlehrerin Frl. Maecker und Turnschwester Frl. Metelmann. Auf der Jahreshauptversammlung am 27. Februar 1935 wird die neue Einheitssatzung für Vereine im NSRL (nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen) einstimmig angenommen. Turnfreund Karl Rebe wird Pressewart des MTV. Anfang des Olympiajahres 1936 weist Oberturnwart Hans Hartig auf Zusamrnenschluss im NSRL hin: 2000 Turner und Sportler sind im Landkreis Dannenberg jetzt "unter einem Dach". Gelände zur Schaffung eines neuen Turn- und Sportplatzes zwischen den beiden Bracks wird zur Verfügung gestellt. Weil es an geeigneten Nachwuchskräften fehlt, leidet die Turnerinnen-Abteilung an Mitgliederschwund. Nach 27 Vorstandsjahren stellt Willi Fischer sein Amt zur Verfügung. Nachfolger wird Arthur Albrecht, Fischer Ehrenmitglied. Im Dezember 1937 ist die "Umerziehung" praktisch abgeschlossen: Der Vorstand heißt jetzt ,;Vereins-Führungs-Stab". Er "ernennt" gem. § 10 der Vereinssatzung seine Mitarbeiter. Der Kauf der Sandkuhle in Prisser zum Bau eines Sportplatzes wird genehmigt. Auf der 75-Jahrfeier des MTV verliest 1938 Vereinsführer Albrecht das Gründungsprotokoll aus dem Jahre 1863, am 19. März geht die große Feier - wieder bei "Maatsch" in Szene. 21 Meldungen zum Deutschen Turnfest in Breslau liegen vor. Wieder Krieg. Ein Vierteljahr nach Kriegsbeginn ist die letzte Vereinsführungs-Sitzung bei Gastwirt Maatsch protokolliert. Es bestehen noch Pläne: Ein Prellball-Turnier am 4.2. 1940. Im März findet noch ein Kinder-Schauturnen statt. Die Kameraden H. Hartig und W. Luert werden eingezogen, ihre Nachfolger K. Rabe und Warnecke. Für die Dauer des Krieges werden die Vereinsbeiträge um -,20 Pfennige reduziert, den zur Wehrmacht eingezogenen Kameraden kleine Aufmerksamkeiten zum Weihnachtsfest geschickt.
Im Laufe der weiteren Kriegszeit kam der Turn- und Sportbetrieb weitgehend zum Erliegen. Es fehlte nach Einziehung der wehrfähigen Männer vor allem an Vorturnern für die Jugend. Hin und wieder fanden sich noch kleinere Gruppen von Turnern und Turnerinnen zusammen, aber die Masse der Mitglieder war durch die Kriegsrnassnahmen "unabkömmlich" geworden. Die Sportgeräte wurden vorsorglich auf dem Turnhallenboden gelagert. Während des Krieges diente die Turnhalle Flüchtlingen als Massenquartier. Erfreulicherweise blieb sie durch den auf Dannenberg niedergegangenen , Artilleriebeschuss unbeschädigt. Die Vereinsfahne sowie die Chronik und schriftlichen Unterlagen nahm Turnwart Fernando Töpper während der Kriegsjahre in Verwahrung. So konnten die alten Niederschriften seit der Vereinsgründung anno 1863 dem MTV in gutem Zustande erhalten bleiben.

Aus Trümmern zu neuen Ufern 1945 bis zum 125-jährigen Jubiläum

Die deutschen Landser hatten das Lied seit 1944 in schnoddrigem Rückzugsjargon "geschaffen": "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei: "Im April da geht der Führer und im Mai die Partei". Genau am 9. Mai um 00.01 Uhr war dann die Niederlage komplett, die Alliierten hatten das Sagen und uns im Griff: - Sie machten es auch dem Sport schwer, aus Trümmern wieder aufzuerstehen. Aber die Männer und Frauen der "ersten Stunde" brauchten letztlich nur 138 Tage, um ihren MTV Dannenberg wieder mit Leben zu erfüllen.
Im ersten Protokoll vom 26. September 1945 nennt Werner Siebenbrodt die Namen des kommissarischen Vorstandes. Sie seien hier für die Nachwelt genannt:

1. Vorsitzender: Willi Fischer-Nolte 
Kassenwart: Alma Schulz 
Schriftführer: Wemer Siebenbrodt 
Gerätewart: Friedrich Lange jun. 
Wasserwehr: Friedrich Lange sen. 
Männerturnwart: Femando Töpper 
Sportwart: Streich 
Fußball, Hand~ und Faustball: F. Lange jun. 
Frauenwartin: A. Schulz 
Kinderturnwart / Knaben: F. Töpper 
Kinderturnwart / Mädchen: Elsbeth Ahrens

CARE-Pakete und die Turnhalle 

Dr. Walter Heuser

Im August 1946 hatten beide etwas gemeinsam: Die CARE-Pakete waren Rettungsanker für Millionen hungriger Deutscher, die Turnhalle ein solcher für den "neuen MTV", denn der konnte dort seinen Übungsbetrieb wieder aufnehmen. Zwei Jahre später hatten die "Neugründer" schon tüchtig zugelegt und mit Dr. Walter Heuser einen tüchtigen Vorsitzenden gewonnen (Stellvertreter Kurt Streich). 24 Stunden vor der Währungsreform geht die 85-Jahr-Feier des MTV über die Bühne. Dass Dr. Heuser in den Stadtrat gewählt wurde, erwies sich als ein Knüller für den Dannenberger Sport. Bis 1953 war der Sportbetrieb (außer Turnen) auf die Nutzung von Schützen- und Reiterplatz angewiesen. Ab 1954 kann nach Bau eines eigenen Sportplatzes mit Sportheim nach Herzenslust "im eigenen Bereich" geübt werden.

Nachholbedarf

Aus dem Hunger war Hoffnung und fast unstillbarer Nachholbedarf an Geselligkeit in sportlicher Gemeinschaft geworden. In den Jahren seit die Berliner Blockade durch die Russen mit 274718 Flügen der "Amis" geknackt wurde, "Blue Jeans gesellschaftsfähig" in Europa wurden und die Bundeswehr mit 6000 Freiwilligen 1956 "gegründet" war, bringt es die MTV-Familie in Gestaltung von Kostümfesten, Winterfeten und anderer Geselligkeit zu wahrer Meisterschaft. Elf Jahre nach Kriegsende war der MTV Ausrichter eines Bezirksturn- und -sportfestes der Lüneburger Heide. Die erforderlichen großen organisatorischen Aufgaben wurden mit Erfolg gemeistert. Aber weder die dafür gebaute Badeanstalt am Schützenhaus noch der gegründete Fanfarenzug waren von langem Bestand. 1959 wurde die Turner-Wasserwehr aufgelöst, die Gerätschaften der Stadt Dannenberg übergeben. Sie waren durch den Bau der neuen Jeetzel überflüssig geworden. Die Neugründungen von Tennis- und Schachabteilungen setzten den Zuwachs an sportlichen Betätigungsfeldern fort, die mit Gründung der Schwimm-Abteilung 1950 begonnen hatte.

Erika Strößenreuter - Deutsche Meisterin im Speerwurf und Olympiateilnehmerin in Rom 1960 begann ihre Laufbahn beim MTV  Hans Hartig - Oberturnwart von 1932 - 1971

Mitgliederplus - plus - plus 

In der Zeit, als ein Elvis Presley Rock- und Beatfestivals zu Ekstasen junger Fans führt und Totalzertrümmerungen von Konzertsälen möglich macht, feiert der MTV 1963 seine 100-Jahr-Feier mit Franz Klemm als Festredner, der ein Fahnenband des DTB überreicht. An der Lüchower Straße steht eine zweite Sporthalle zur Verfügung. Fünf Jahre später ist die Zahl der Mitglieder auf 800 gestiegen und sie steigt und steigt: 1972 kann das tausendste Mitglied begrüßt werden. Dazwischen lag die Amtsübergabe von Dr. Heuser an Erwin Koch, die Fusion mit dem Tennis-Club Dannenberg, die finanzielle Selbstständigkeit der Abteilungen mit eigenem Jahresetat, die Erstellung einer neuen Ehrenordnung und die Aufnahme der Sportschützen in den MTV. Die Gründung der Bogensportabteilung gleicht den Mitgliederschwund nach Verlegung des BGS aus.

MTV und seine Engländer (Auszug aus einem Bericht von Dennis Weir und John Sinden)

Der MTV ist nicht nur ein sehr alter und traditionsreicher Verein, sondern auch ein sehr gastfreundlicher und weitdenkender Club. Dies wurde 1973 bestätigt als die "Engländer" kamen. Das Ganze begann an einem Novemberabend, als die damals im Hotel Ratskeller wohnenden Engländer zufällig am Stammtisch den derzeitigen Jugendobmann Günter von Stahl kennenlernten. Die Jungs wollten Fußball spielen. Und der MTV-Mann hatte natürlich die richtige Antwort. Der Geschäftsführer wurde sofort eingeschaltet. Eintrittserklärungen wurden vorgelegt, Spielpässe beantragt. Jetzt hatte der MTV auf einmal 20 neue Mitglieder und die mussten natürlich im Vorstand vertreten werden. Für den flexiblen MTV war dies auch kein Problem und schon im Dezember 1973 wurde die Satzung geändert und der Posten eines englischen Verbindungsmannes kreiert. Als erster waltete Dennis Weir dieses Amtes, der trotz langjähriger Abwesenheit den Kontakt zu dem Verein nie verlor und seit Juli 1986 wieder im Dienste des MTV steht. Seitdem hat es Höhen und Tiefen beim Fußball im MTV gegeben. Die Engländer waren aber immer dabei, sei es als komplette Mannschaft oder als Einzelakteure in höheren Klassen. 
Fußball hat natürlich die Hauptrolle in dieser Geschichte gespielt, aber die anderen Abteilungen waren nicht weniger gastfreundlich. Die Bogensportler hatten ihren Bill Davidson und Peter Cant, die Judokas ihren Paddy Sherwood, Ian Vernon und Taff Lee, die Schachspieler ihren Bob Axton und Andy Field. 1983 erhielt die britische Einheit das Wilkinson-Friedensschwert und 1984 das Ehrenstadtrecht der Stadt Dannenberg. Diese Ehren wurden als Anerkennung der guten Beziehung zu der örtlichen Bevölkerung verliehen. Diese Beziehungen wären nie zustande gekommen, hätte der Sport und der MTV nicht so eine große Rolle gespielt.

Neue Sporthalle 

Längst haben es sich die Bundesbürger im hart erarbeiteten Wirtschaftswunderland bequem gemacht. Der Wirtschaftsaufschwung ist ungebremst, Geld fließt auch zunehmend für den Sport. Dannenberg baut 1975 seinen Bürgern eine komfortable dreiteilige Sporthalle, dazu eine Dreibahnen-Schwimmhalle. Der seit 1971 amtierende MTV-Geschäftsführer Ulrich Brinkmann kann sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Trotz guter Kassenführung bringt die abgeschiedene Lage im Zonenrandgebiet immer neue Probleme mit Finanzierung der hohen Fahrtkosten. Dass auch die Ansprüche, vor allem der ballspielenden Abteilungen steigen, ist ein typischer Nebeneffekt des Wirtschaftswunders. Die "Generallinie" des seit 1973 amtierenden 1. Vorsitzenden Friedrich Lindemann jun. und seiner Führungsmannschaft stimmt trotzdem. Das Nachlassen an Interesse geselliger Veranstaltungen wie Winzer- und Sommerfest sind Zeichen wachsender Fächerung von persönlichen Interessen, die auch vor dem Sport nicht halt machen. Vorwärts geht es dennoch: Einweihung der Schießanlage für die Bogensportler und Bau einer Flutlichtanlage 1979 auf dem Sportgelände der Schulen sind Beweis dafür.

:Zuversicht bleibt Trumpf 

Dr. Heuser - OKD PoggendorfDie Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den MTV-Ehrenvorsitzenden Dr. Heuser wird auch als Anerkennung der Leistungen "seines MTV" im Dienste der sich immer mehr wandelnden Gesellschaft empfunden. Wieder eine neue Abteilung: Die Volleyballer. Im Jeetzel-Stadion wird eine Bandenwerbung für die Fußballer angelegt, der Vereinsbeitrag auf monatlich DM 5,- erhöht. Als Manfred Körtke 1980 2. Vorsitzender wird, stehen schon 1300 Mitglieder in den Listen. Zu einem "Flop" wird ein Jahr später die Gründung einer Vereinszeitung. Der "Sportspiegel" muss nach nur wenigen Monaten wieder eingestellt werden. In den folgenden Jahren verweist die Vereinsführung zunehmend auf die Notwendigkeit sparsamer Haushaltsführung. 1984 wird die 1400-Mitgliedermarke überschritten, die Sportschützenabteilung aufgelöst. Die neu aufgestellte Senioren-Abteilung findet viel Anklang und Zulauf. 

Verein feiert 125jähriges Jubiläum 

Zuversicht, Hoffnung und Durchhaltevermögen haben es den Generationen seit der Vereinsgründung des MTV anno 1863 möglich gemacht, dass wir 1988 unser 125jähriges Jubiläum feiern können. Für uns alle eine Verpflichtung, unsere Auffassung von der Notwendigkeit ehrenamtlichen Sports in Geist und Tat bis weit ins nächste Jahrtausend zu tragen.

...wird fortgesetzt...

 

Ins neue Jahrtausend: Die "Neuzeit" von 1988 - 2013 wird Geschichte

Grenzenlose Freude 

  • 1989 Grenzöffnung
  • 1996 mit 1662 Mitgliedern höchster Stand

MTV Dannenberg im Internet 

Einen Überblick über das vielseitige Sportangebot des MTV Dannenberg gibt der Verein 2005 auch im Internet. Hier veröffentlicht der Vorstand nicht nur seine aktuellen Informationen und Vereinstermine. Von den über 20 Abteilungen und Gruppierungen gibt es Hinweise auf Trainingszeiten und –orte, Ansprechpartner und teilweise auch interessante Informationen über den jeweiligen Sport. Mit diesem Internetauftritt möchte der Verein das Gemeinschaftsgefühl fördern und die Mitglieder animieren, auch mal in die anderen Abteilungen seines Vereins zu schauen. Einige Abteilungen verweisen auch auf eigene Internetseiten oder auf Seiten ihrer Sportverbände. Neben den Informationen über Mitgliedschaft und Beiträge, wo sich der Besucher auch eine Eintrittserklärung oder die Satzung auf seinen Rechner runterladen kann, arbeitet der 1863 gegründete Verein auch an der Aufbereitung seiner Vereinsgeschichte. Diese basiert zunächst auf den Zusammenstellungen von Martin Schulz und Peter Hoepping für die 1988 herausgegebene Jubiläumszeitschrift. Für die Fortsetzungen sucht der Verein noch Material und Helfer.

Heimarbeit 

  • 2006 DAN macht sich fit - Qualitätssiegel für Gesundheitssport
  • 2008 Protest gegen Hallennutzungsgebühren
  • 2012 Vereinsheim

Unsere Vorsitzenden von 1863 bis heute...

Entwicklung der Mitgliederzahlen von 1863 bis heute...